G-BA Projekte

Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) fördert seit dem Jahr 2016 Projekte, die innovative Ansätze für die gesetzliche Krankenversicherung erproben und neue Erkenntnisse zum Versorgungsalltag gewinnen wollen.

G-BA Neue Versorgungsformen

Unter neuen Versorgungsformen im Sinne des Innovationsfonds versteht man Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen. Gefördert werden Modelle, welche die sektorenübergreifende Versorgung weiterentwickeln und Ansätze enthalten, die Trennung der Sektoren zu überwinden, sowie solche, die innersektorale Schnittstellen optimieren.

Aktuell werden folgende G-BA-Projekte zu neuen Versorgungsformen mit Sprechschaft an der Medizinischen Fakultät gefördert:

MIGRA-MD
Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital,
Sprecher
Dr. Ruth Ruscheweyh
Einrichtung
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Förderung
2025 bis 2029
Webseite
Projektbeschreibung auf der Webseite des G-BA
Themen
Kopfschmerzen sind eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Etwa fünf Prozent der Menschen in Deutschland leiden an mehr als vier Tagen im Monat an Migräne. Dies führt oft zu einer erheblichen Beeinträchtigung im Alltag, zu verminderter Leistungskraft und letztlich auch zu hohen Kosten für das Gesundheitssystem.

Quelle: G-BA
EASY-PID
KI-unterstützte pädiatrisch-infektiologische Beratung
Sprecher
Prof. Dr. Johannes Hübner
Einrichtung
Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital
Förderung
2026 bis 2027
Webseite
Projektbeschreibung auf der Webseite des G-BA
Themen
Weltweit sterben jährlich 1,27 Millionen Menschen an den Folgen bakterieller Infektionen, die aufgrund resistenter Erreger nicht mehr behandelbar sind. Besonders gefährdet sind Kinder: Jeder fünfte durch antimikrobielle Resistenzen verursachte Todesfall betrifft Kinder unter fünf Jahren. Zudem belasten antimikrobielle Resistenzen die Gesundheitssysteme enorm. Solche Resistenzen entstehen, weil Antibiotika zu häufig und teilweise nicht zweckentsprechend verschrieben oder eingesetzt werden – auch in der Kinder- und Jugendmedizin.

Quelle: G-BA
WELCOME
Digitale, videogestützte Überleitung in die poststationäre Versorgung von Früh- und Reifgeborenen mit erhöhtem pflegerischen Nachsorgebedarf
Sprecher
Prof. Dr. Uli Fischer
Einrichtung
Pflegedirektion – Stabsstelle Klinische Pflegeforschung und Qualitätsmanagement
Förderung
2023 bis 2026
Webseite
Projektbeschreibung auf der Webseite des G-BA
Themen
In Deutschland kommt etwa jedes zehnte Kind zu früh zur Welt. Mehr als 15 Prozent dieser Frühgeborenen werden in spezialisierten Kliniken, meist auf Intensivstationen, versorgt. Dürfen diese Frühchen das Krankenhaus verlassen, haben viele von ihnen noch einen besonderen Pflegebedarf: Ihre Eltern müssen bestimmte Vitalwerte beobachten und sich fachgerecht um Sonden, Katheter oder auch Wunden kümmern. Das Risiko für Komplikationen ist groß und oft prägen Ängste und Unsicherheiten den Alltag der Familien. Bestehende Hilfsstrukturen wie die sozialmedizinische Nachsorge oder die Hebammenhilfe reichen häufig nicht aus, so dass den Betroffenen oft nur der Weg zurück ins Krankenhaus bleibt.
Die Partner im Projekt WELCOME möchten die Frühgeborenen-Nachsorge beim Übergang ins eigene Zuhause verbessern und die Familien aus der Fachklinik heraus unterstützen. Kernstück der neuen Versorgungsform ist eine App. Über diese können die Eltern das bereits vertraute, hochspezialisierte Klinikpersonal in Videosprechstunden und per Chat erreichen. Auch Gesundheitsparameter können hierüber dokumentiert und ausgetauscht werden. Zusätzlich können sich die Eltern im Wissens- und Austauschportal der App über die richtige Versorgung der Neugeborenen und wohnortnahe Unterstützungsangebote informieren oder mit anderen Betroffenen vernetzen.
Ob sich das digitale Angebot eignet, die Häufigkeit von Komplikationen und die Wiederaufnahmen ins Krankenhaus zu verringern, untersuchen die Projektbeteiligten in einer Studie mit ca. 230 Frühgeborenen. Überprüft wird dabei auch, ob sich die betroffenen Eltern in der häuslichen Umgebung handlungssicher fühlen und mehr Selbstvertrauen aufbauen. Zudem beobachtet das Projektteam, wie gut die Implementierung des neuen Angebots in den Versorgungsalltag gelingt und welchen Effekt es auf die Versorgungskosten hat. Das Projekt wird für vier Jahre mit insgesamt ca. 5,8 Millionen Euro gefördert.
Im Erfolgsfall kann das Nachsorgeangebot für Frühgeborene um eine telemedizinische Begleitung der Familien erweitert werden. Dies wäre nicht zuletzt in strukturschwachen Regionen ein Zugewinn.

Quelle: G-BA

G-BA Versorgungsforschung

Versorgungsforschung hat die Aufgabe, wissenschaftliche Grundlagen für Lösungen zur Gestaltung, Organisation und Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens zu schaffen. Versorgungsforschung wird hier verstanden als die wissenschaftliche Untersuchung der Versorgung des Einzelnen und der Bevölkerung mit gesundheitsrelevanten Produkten und Dienstleistungen unter Alltagsbedingungen.

Aktuell werden folgende G-BA-Projekte zur Versorgungsforschung mit Sprechschaft an der Medizinischen Fakultät gefördert:

TARGET-ADE
Targeted prevention of hospitalisations due to adverse drug events
Projektleiter
Prof. Dr. Tobias Dreischulte
Einrichtung
Institut für Allgemeinmedizin
Förderung
2025 bis 2028
Webseite
Projektbeschreibung des GBA
Themen
Weltweit wird etwa jede 13. Aufnahme in eine Innere Abteilung eines Krankenhauses durch unerwünschte Arzneimittelereignisse (UAE) verursacht. Diese können auf Wechsel- und Nebenwirkungen bei der gleichzeitigen Einnahme verschiedener Medikamente beruhen, auf einer ungeeigneten Dosierung von Medikamenten oder weil Anwendungsbeschränkungen nicht beachtet wurden. Für die Betroffenen kann das ernste Folgen haben, wie Blutungen im Verdauungstrakt oder Herzinsuffizienz.

Quelle: GBA
SOLongCOVID
Subjektive Versorgungserfahrungen und objektive Versorgungswege bei LongCOVID
Projektleiterin
Dr. Daniela Koller
Einrichtung
Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE)
Förderung
2024 bis 2027
Webseite
Projektbeschreibung des GBA
Themen
Menschen, die an den Spätfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion leiden, bestmöglich zu versorgen, bleibt eine Herausforderung. Mindestens 10 % der mit SARS-CoV-2 infizierten Personen zeigen auch sechs Monate nach einer Infektion, unabhängig vom Schweregrad einer COVID-19-Erkrankung, noch anhaltende Symptome oder Folgeerkrankungen, die sich nach der Infektion einstellten. Symptome und Erkrankungen, die drei Monate nach der Infektion weiterhin bestehen oder neu auftreten und nicht anderweitig erklärt werden können, werden als Post-COVID-Syndrom oder post-COVID-19 condition (PCC) bezeichnet. PCC kann in unterschiedlichen Organsystemen auftreten; hervorzuheben sind kardiovaskuläre, respiratorische, metabolische und neurologisch-psychiatrische Erkrankungen.

Quelle: GBA
KIDS
KI verbessert Diagnostik in der Seniorenpflege
Projektleiter
Prof. Dr. Falk Schwendicke
Einrichtung
Poliklinik für Zahnerhaltung und Pa­ro­dontologie
Förderung
2024 bis 2027
Webseite
Projektbeschreibung des GBA
Themen
Hochbetagte pflegebedürftige Menschen sind besonders anfällig für Schädigungen der Schleimhäute im Mund. Etwa 25 Prozent von ihnen leiden an sogenannten Läsionen der Mundschleimhaut, die sich mitunter zu bösartigen Tumoren entwickeln können. Für Zahnärztinnen und Zahnärzte in der Seniorenpflege sind die Läsionen eine diagnostische Herausforderung. Von ihrer Einschätzung hängt nicht nur der weitere Diagnose- und Therapieaufwand ab, sondern auch die damit verbundene Belastung für die Pflegebedürftigen. Die Diagnosegenauigkeit ist jedoch oft nur begrenzt.
Das Projekt KIDS zielt darauf ab, die Diagnostik von Mundschleimhautläsionen in der stationären Langzeitpflege zu verbessern und hierfür Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI) als Entscheidungsunterstützung zu nutzen. Zunächst optimieren und testen die Projektbeteiligten bereits erprobte KI‐Modelle und prüfen diese auf ihre Genauigkeit und Verlässlichkeit. Hierauf aufbauend wird eine Software entwickelt, die für die praktische Anwendung in der Seniorenpflege geeignet ist. In einer Studie mit Bewohnerinnen und Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen wird untersucht, ob die KI-gestützte Einschätzung der Läsionen im Vergleich zur bislang üblichen Beurteilung durch Zahnärztinnen und Zahnärzte genauere Diagnosen liefert. Mit der Bewertung der Abläufe und der Analyse der Kosten wird parallel überprüft, ob der KI‐Einsatz unter Praxisbedingungen anwendbar, akzeptabel und kostenwirksam ist. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 1,1 Millionen Euro gefördert.
Bewährt sich die neue Software, kann sie die diagnostische Praxis in der Seniorenpflege unterstützen, wodurch sich Versorgungsabläufe besser steuern und die Lebensqualität Pflegebedürftiger erhöhen ließen. Die Erkenntnisse aus dem Projekt könnten zudem auf die KI-gestützte Versorgung anderer Erkrankungen übertragen werden.


Quelle: GBA
PARTNER
Interprofessioneller Behandlungspfad zum Patientenzentrierten deprescribing psychotroper, sedierender und anticholinerger Arzneimittel bei älteren Patienten mit Multimedikation
Projektleiter
Prof. Dr. Tobias Dreischulte
Einrichtung
Institut für Allgemeinmedizin
Förderung
2022 bis 2026
Webseite
Projektbeschreibung des GBA
Themen
Müssen Menschen gleichzeitig fünf oder mehr Arzneimittel einnehmen, steigt damit das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Laut einer Studie von 2018 der Universitätskliniken Ulm, Fürth, Bonn und Stuttgart konnten z. B. 6,5 Prozent aller Fälle in Notaufnahmen darauf zurückgeführt werden. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, die über lange Zeit Arzneimittel einnehmen, die angstlösend und beruhigend, schlaffördernd und muskelentspannend wirken, also z. B. Hypnotika oder Opioide. In der Medizin sind diese unerwünschten Arzneimittelwirkungen bekannt, doch lässt der weiterhin verbreitete Einsatz bei älteren Menschen darauf schließen, dass eine Sensibilisierung für das Thema allein nicht ausreicht.
Das Projekt PARTNER möchte dazu beitragen, eine Fehl- und Überversorgung mit den genannten Arzneimitteln zu reduzieren. Eine Absetzung der Wirkstoffe bzw. Umstellung auf eine geringere Dosierung (Deprescribing) ist oft zeitaufwändig und erfordert Umsetzungshilfen für Hausarztpraxen, Apotheken sowie für die Betroffenen selbst.
Entsprechend sieht das Projekt einen Behandlungspfad vor, der eine Ausgabe von Schulungsmaterialen und die vertiefte Kooperation von Hausarztpraxen und Apotheken in Form eines Workshops mit Fallkonferenzen umfasst. Zudem erhalten Betroffene eine Broschüre zum Deprescribing, die sie zunächst mit ihrem Apotheker besprechen. Darauf aufbauend treffen Hausarzt und Patient gemeinsam eine Entscheidung über das Deprescribing. Wirksamkeit, Kosten, Nutzen und Zweckmäßigkeit der Maßnahme werden in zwei Gruppen mit jeweils 176 Patienten überprüft, wobei die Kontrollgruppe nur allgemein über Arzneimittelrisiken aufgeklärt wird. Das Projekt wird für 42 Monate mit insgesamt ca. 2,05 Millionen Euro gefördert.
Im Erfolgsfall zeigt das Vorhaben auf, ob die Übernahme der Maßnahme in die Regelversorgung wirksam, effizient und zweckmäßig ist und wie die Zusammenarbeit von Hausarztpraxen und Apotheken aussehen sollte, um das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen langfristig zu senken.

Quelle: GBA